Kunst oder Krempel? – Kunstrasen in Gars am Inn

Der erste Garser Kunstrasen verwandelte den alten Bolzplatz in eine Freiluftgalerie und zeigte, wie vielfältig Kreativität sein kann.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Man kann es natürlich trotzdem versuchen – am besten bei Kaffee, Kuchen und einem kühlen Getränk. Was für den einen große Kunst ist, mag für den anderen zunächst wie Krempel wirken. Entscheidend ist der Blickwinkel. Und davon gab es am Sonntag, dem 12. Juli 2026, auf dem alten Bolzplatz in Gars am Inn reichlich zu entdecken.

Beim ersten Garser Kunstrasen präsentierten Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten, erklärten Techniken und ließen sich bereitwillig über die Schulter schauen. Zu sehen gab es Glasmalerei, Schmuck, moderne Druckverfahren und Kunstobjekte aus unterschiedlichsten Materialien. Manche Werke waren filigran, andere farbenfroh, ungewöhnlich oder überraschend – und fast alle boten ausreichend Stoff für Gespräche.

Besondere Aufmerksamkeit erregte eine erst zwölfjährige Künstlerin. Aus ihrer Begeisterung für Pferde brachte sie sich selbst bei, verblüffend realistische Pferdeköpfe zu nähen. Ihre Arbeiten sind nicht nur dekorativ, sondern können auch beim Hobby Horsing eingesetzt werden. Während andere in diesem Alter noch überlegen, welches Pferdeposter an die Wand kommt, näht sie sich das Pferd kurzerhand selbst.

Der alte Bolzplatz erwies sich dabei erneut als geeigneter Veranstaltungsort. Wo früher vor allem Bälle über den Rasen flogen, trafen sich diesmal Kunst, Handwerk und Besucher. Der Platz entwickelt sich damit erfreulicherweise immer stärker zu einem kleinen Veranstaltungszentrum für Gars.

Auch das Wetter meinte es gut – beinahe ein wenig zu gut. Sonne und Wärme sorgten für echtes Rasenkunstgefühl, machten aber auch deutlich, wie wichtig eine funktionierende Versorgung ist. Diese Aufgabe übernahm „Gars miteinander“ mit Kaffee und Kuchen. Schließlich soll eine Kulturveranstaltung nicht dazu führen, dass bewährte sonntägliche Gewohnheiten leichtfertig aufgegeben werden.

Für den herzhaften Teil war die Freiwillige Feuerwehr Gars zuständig. Mit Grillspezialitäten und auf den Punkt gekühlten Getränken versorgte sie die zahlreichen Besucher. So musste niemand entscheiden, ob ihm Kunst auf nüchternen Magen besser gefällt.

Eine Veranstaltung, die zum ersten Mal stattfindet, ist immer auch ein Versuch. Was funktioniert? Was lässt sich verbessern? Was wünschen sich Aussteller und Gäste für eine mögliche Fortsetzung? Das Feedback der Besucher wird deshalb wichtig sein. Dennoch darf man schon jetzt sagen: Wer beim Garser Kunstrasen im Juli 2026 von einem Erfolg spricht, liegt keineswegs daneben.

Das Interesse war vorhanden, die Mischung stimmte und der Veranstaltungsort hat Potenzial. Ein weiterer Ausbau wäre deshalb keine aus der Luft gegriffene künstlerische Fantasie, sondern eine durchaus realistische Perspektive.

Oder anders gesagt: Zwischen Kunst und Krempel liegt manchmal nur ein genauerer Blick. Davon könnten die Garser künftig gerne noch mehr bekommen.

Ein Rundgangvideo zur Veranstaltung wird in Kürze in der Facebook-Gruppe „Garser Horgartn“ veröffentlicht:
https://www.facebook.com/groups/
1027959359591094

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