Elektromobilität ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern steht inzwischen ganz real am Straßenrand. Manchmal sogar genau dort, wo bisher jemand „nur schnell“ oder „eigentlich immer“ geparkt hat. Mit der neuen Ladesäule in der Lengmooserstraße geht die Gemeinde Gars einen weiteren Schritt beim Ausbau der Infrastruktur für E-Fahrzeuge.
Dass solche Veränderungen nicht überall sofort Begeisterung auslösen, ist nachvollziehbar. Stellflächen, die während des Ladevorgangs für Elektrofahrzeuge ausgewiesen sind, stehen Verbrennern und Dauerparkern nicht mehr wie bisher zur Verfügung. Der Gemeinde geht es jedoch nicht darum, Anwohner zu verärgern oder Parkplätze künstlich zu verknappen. Ziel ist vielmehr, rechtzeitig jene Infrastruktur aufzubauen, die E-Mobilität auch im ländlichen Raum alltagstauglich macht.
Denn die Entwicklung ist deutlich: In Deutschland ist der Bestand rein batterieelektrischer Pkw innerhalb von zwei Jahren um rund 44 Prozent gestiegen. Zum 1. Januar 2024 waren es noch rund 1,41 Millionen Fahrzeuge, zwei Jahre später bereits mehr als 2,03 Millionen. Wer also heute über den Kauf eines E-Fahrzeugs nachdenkt, soll sich in Gars nicht zuerst fragen müssen: „Und wo lade ich das dann?“
Mit der neuen Lademöglichkeit in der Lengmooserstraße, der Schnellladestation auf dem Parkplatz der Firma Scherer sowie zwei weiteren Lademöglichkeiten im Gemeindegebiet ist Gars auf einem guten Weg. Am Ziel ist man damit noch nicht. Das muss aber auch nicht von heute auf morgen geschehen. Elektromobilität wächst kontinuierlich, nicht explosionsartig. Entscheidend ist, die Entwicklung zu beobachten, den Bedarf ernst zu nehmen und dann nachzulegen, wenn es notwendig wird.
Dabei spielt auch der Umgang mit vorhandenen Stellflächen eine Rolle. Eigentlich sollte es aufgrund der geltenden Stellplatzregelungen ausreichend öffentliche Parkmöglichkeiten geben. In der Praxis zeigt sich jedoch: Öffentlicher Raum ist knapp, vor allem dort, wo private Stellplätze nicht oder nur teilweise genutzt werden. Würden vorhandene private Stellflächen konsequenter genutzt, wäre die Suche nach geeigneten Standorten für künftige Ladepunkte deutlich einfacher – auch im Bereich des Marktplatzes.
Die neue Ladesäule ist deshalb mehr als nur ein technischer Anschluss mit Kabel. Sie ist ein kleines, sichtbares Zeichen dafür, dass Gars die Mobilität der nächsten Jahre nicht verschläft. Und wer beim Laden ein paar Minuten Zeit hat, kann ja das tun, was auf dem Land ohnehin dazugehört: kurz stehen bleiben, ratschen und feststellen, dass Fortschritt manchmal einfach nur eine freie Steckdose braucht.