Gars prüft olympische Rolle – Gemeinde denkt groß

Marktgemeinde will Münchens Bewerbung unterstützen / Wohnraum, Verkehr und Sportstätten im Fokus

Gars a.Inn. Was bislang allenfalls als ungewöhnliche Idee kursierte, wird nun offenbar ernsthaft diskutiert: Die Marktgemeinde Gars a.Inn will die Bewerbung der Stadt München für die Olympischen Sommerspiele 2036 oder 2040 unterstützen und prüft, ob die Inn-Gemeinde selbst Teil eines künftigen Gesamtkonzepts werden könnte.

Wie aus dem Umfeld des Rathauses zu hören ist, geht es dabei nicht nur um symbolische Unterstützung. Vielmehr soll untersucht werden, welche infrastrukturellen, sportlichen und städtebaulichen Beiträge Gars im Fall einer erfolgreichen Münchner Bewerbung leisten könnte. Bürgermeister Robert Otter sieht darin nach Angaben aus Gemeindekreisen eine „außergewöhnliche Entwicklungschance“ für den Ort.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht ein mögliches olympisches Dorf im Bereich Thal. Dort könnten moderne Unterkünfte für Athletinnen und Athleten entstehen, die nach den Spielen in dringend benötigten Wohnraum für Einheimische umgewandelt würden. Gerade mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt wäre das nach Einschätzung der Gemeinde ein Projekt mit dauerhaftem Nutzen weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus.

Auch die Verkehrsanbindung spielt in den Planspielen eine zentrale Rolle. Nach ersten Gesprächen soll geprüft werden, ob Gars langfristig von einer deutlich aufgewerteten Bahninfrastruktur profitieren könnte. In diesem Zusammenhang ist sogar von einem unterirdischen Bahnhof im Bereich des Marktplatzes die Rede. Dieser könnte nach den Vorstellungen der Gemeinde als künftiges Drehkreuz für Teile der Landkreise Mühldorf und Rosenheim dienen – mit besseren Verbindungen in Richtung München, Flughafen und darüber hinaus.

Darüber hinaus wird offenbar auch ein Weiterdenken bestehender Ausbaupläne angeregt. Während bisher vor allem eine stärkere Anbindung des Wasserburger Raums im Gespräch ist, soll Gars dafür werben, die Perspektive bis an den Inn zu verlängern. Im Rathaus ist man überzeugt, dass große Infrastrukturprojekte nur dann nachhaltig wirken, wenn sie nicht an bisherigen Endpunkten stehenbleiben.

Begleitet werden könnten die Überlegungen von einem internationalen Architektenwettbewerb. Nach den Vorstellungen der Gemeinde würde nicht einfach ein provisorischer Funktionsstandort entstehen, sondern ein neuer, hochwertig geplanter Ortsteil mit langfristiger Nutzung, klarer architektonischer Handschrift und einem stimmigen Bezug zur bestehenden Struktur von Gars. Nachhaltigkeit, kurze Wege und spätere zivile Nutzbarkeit hätten dabei Vorrang.

Sportlich sieht man sich ebenfalls keineswegs chancenlos. Für Wassersportarten verweisen Verantwortliche auf das Potenzial des Inns, der in den kommenden Jahren weiter ökologisch aufgewertet werden könnte. Das Klosterbad könnte in einem nächsten Schritt ausgebaut werden, um zusätzliche Kapazitäten für Schwimmwettbewerbe zu schaffen. Und auch das Sportzentrum in Thal stünde nach dieser Lesart vor einer bemerkenswerten Erweiterung. Selbst eine deutliche Vergrößerung bestehender Anlagen werde bereits mitgedacht.

Sollte sich das Projekt konkretisieren, dürfte dies auch Auswirkungen auf das Ortsbild haben. Nach Informationen aus dem Umfeld der Planungen wird bereits darüber gesprochen, markante Straßenzüge und sichtbare Fassaden behutsam, aber erkennbar an ein internationales Großereignis anzupassen. Ziel wäre es, Gars als traditionsbewussten, gastfreundlichen und gleichzeitig modernen Ort zu präsentieren.

Die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Vorhabens wären erheblich. Handwerksbetriebe, Gastronomie, Vermieter und örtliche Dienstleister dürften von den Investitionen unmittelbar profitieren. Auch die Hoffnung auf zusätzliche Kaufkraft und neue Ansiedlungen spielt in den Überlegungen eine Rolle. In der Gemeinde wird bereits davon gesprochen, dass Gars damit einen Entwicklungsschub erleben könnte, „wie man ihn sonst nur aus größeren Städten kennt“.

Auf die Frage nach den finanziellen Auswirkungen bleibt man im Rathaus bemerkenswert gelassen. Ein Projekt dieser Größenordnung setze selbstverständlich erhebliche Mittel von Bund und Freistaat voraus, heißt es. Langfristig jedoch, so die optimistische Sichtweise, würden Infrastruktur, Wohnraum und wirtschaftliche Dynamik die Gemeinde auf Jahrzehnte hinaus stärken. Vereinzelt ist sogar schon die Einschätzung zu hören, Gars könne die Früchte dieser Investitionen „spätestens im nächsten Jahrhundert“ in voller Reife ernten.

Ob aus der Vision tatsächlich einmal ein belastbares Konzept wird, ist derzeit offen. Klar ist allerdings: In Gars denkt man plötzlich in einer Größenordnung, die vor kurzem noch kaum jemand für möglich gehalten hätte. Und allein das dürfte in der Region bereits für Gesprächsstoff sorgen.

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